Hendrik Munsonius
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Vermischtes

"Wenn es war wäre, dass das Geschlecht einer Bezeichnung mit dem Geschlecht des Bezeichneten übereinstimmen muss, könnte niemand mehr zur Frau seines Herzens 'Schatz' oder 'Liebling' sagen." (Christoph Heinrich)

"Denn sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: Auf und hilf uns!" (Jeremia 2, 27)

"Mein schönstes Gedicht? Ich schrieb es nicht. Aus tiefsten Tiefen stieg es. Ich schwieg es." (Mascha Kaleko)

"[E]s dürfte jedem deutlich sein, dass ein Gemeindemitglied, das sich zu seiner 'Gemeinschaft der Gläubigen' nur wie ein Konsument verhält, das zentrale Moment einer kirchlichen Vereinigung verkennt." (Volker Gerhards, in: Braune-Krickau/Scholl/Schüz (Hg.), Das Christentum hat ein Darstellungsproblem, 2016, S. 78f.)

"Man vergisst immer wieder, auf den Grund zu gehen. Man setzt die Fragezeichen nicht tief genug." (Ludwig Wittgenstein, Vermischte Bemerkungen, Werkausgabe Bd. 8, 1984, S. 583)

"Aufregung kleidet besser als Indifferenz und jedenfalls ist sie interessanter." (Theodor Fontane, Der Stechlin, in: Sämtliche Romane, Erzählungen, Gedichte, Nachgelassenes, Fünfter Band, 1994, S. 215)

"Es gibt ... nur eine Möglichkeit, zu wirklich tragfähigem Konsens zu gelangen: nämlich durch ausgetragenen Dissens. Und es gibt nur einen Weg, Dissens auszutragen: nämlich offen. Alles andere ist Taktieren." (Fredmund Malik, Führen. Leisten. Leben, 2014, S. 282)

"In der Meinung, es recht gut zu machen preist sie [die Apologetik] die Religion an, als wäre sie eine Ramschware oder ein Universalheilmittel für alle Gebrechen der Gesellschaft. Auch greift sie immer wieder nach allerlei Tand, um die Religion aufzuputzen, und währen sie sich bemüht, sie als etwas Herrliches und Notwendiges darzustellen, bringt sie sie um ihre Ernst und beweist im besten Falle nur, daß sie etwas ganz Annehmbares, weil Unschädliches sei." (Adolf von Harnack, Das Wesen des Christentums, 1929, S, 5)

"Ich wollt', ich wäre' ein Storch. Dann könnt' ich fliegen. Ich wollt', ich wär' zwei Störch'. Dann könnt' ich hinter mir herfliegen. Ich wollt', ich wär' drei Störch'. Dann könnt' ich sehen, wie ich hinter mir herfliege." (Bernd Wannewetsch, in: Neijenhuis (Hg.), Evangelisches Gottesdienstbuch und Kirchenrecht, 2002, S. 40 Fn. 5)

"Wir finden in Büchern immer nur uns selbst. Komisch, daß dann allemal die Freude groß ist und wir den Autor für ein Genie erklären." (Thomas Mann, 28.4.1917, GKFA 22.1, S. 188)

"Und wenn der moderne Protestantismus geneigt scheint, das Religiöse über dem Ethischen zu vernachlässigen, so finde ich nachgerade, allmählich und ohne im Geringsten stürmisch vorzugehen, Grund mich zu fragen, ob in gewissen Fällen das Ethische nicht ein Weg - zur Religion sein könnte." (Thomas Mann, 24.4.1917, GKFA 22.1, S. 186)

"Der einfachste Weg zu gutem Stil: Sich vorher überlegen, was man sagen will. Dann sagt man es einfach, und wenn es einem dann zu einfach erscheint, kann das zwei Gründe haben. Erstens, die Sprache ist nicht aufgeladen genug von ihrem Gegenstand, oder der Gedanke ist so einfach, dass er einen selbst nicht interessiert. In diesem Fall löscht man ihn." (Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur, 2013, S. 284)

"Er kann nicht enden, kann nicht fertig werden, / Er ändert stets, ruckt langsam weiter vor, / Steht wieder still, er hintergeht die Hoffnung; / Unwillig sieht man den Genuß entfernt / In späte Zeit, den man so nah geglaubt." (Johann Wolfgang von Goethe, Torquato Tasso, I 2, Vers 265ff.)

"Die Form ist die geschworene Feindin der Willkühr, die Zwillingsschwester der Freiheit." (Rudolph von Jhering, Geist des römischen Rechts II/2, 2.A. 1869, S. 456)

"Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." (Galater 3, 28)

"Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi [Die Musik ist eine unbewußte Übung in der Metaphysik, bei der der Geist nicht weiß, daß er philosophiert]." (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, § 52)

"Ich weiß nicht, ob es eine schmeichelhafte Gesellschaft ist, in die sich begibt, wer unsere Sprache gewaltsam ändern will - aus welchen Motiven auch immer." (Christoph Heinrich)

"Es ist ein unbegreifliches Wunder göttlicher Erhaltungsgnade, daß wir Theologie treiben können, obgleich wir nicht wissen, was wir damit tun." (G. Ebeling, zit. nach Beutel, Gerhard Ebeling. Eine Biographie, 2012, S. 23)